Musik verbindet Menschen – Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag in St. Jakobi

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Am 20. November fand in der Kirche St. Jakobi anlässlich des Ewigkeitssonntags ein Gottesdienst statt. Wie jedes Jahr einmal wurde dieser Gottesdienst durch den Oberstufenchor, den Eltern-Lehrer-Freunde-Chor und das Kammerorchester des Johanneums begleitet. Die Musik war an diesem Tag eine Art roter Faden, der sich durch den gesamten Gottesdienst zog, und das gemeinsame Singen der Kirchenlieder stellte eine Verbindung zwischen allen Anwesenden dar.

Schon zu Beginn stand durch das Orgelvorspiel die Musik im Mittelpunkt, und direkt im Anschluss wurde auch schon das erste Lied gemeinsam gesungen. Die Stimmung in der Kirche war zunächst ungezwungen, obwohl allen bewusst war, dass der Gottesdienst die Verstorbenen der Gemeinde ehren sollte. Danach wurde ein gemeinsames Gebet gesprochen, das vom Verlangen nach Leben und Liebe handelte. Dieses Gebet änderte die Stimmung in der Kirche etwas und man wurde an die Thematik des Lebens und des damit verbundenen Todes herangeführt. Anschließend wurden zwei weitere Lieder gemeinsam gesungen, bevor die eigentliche Predigt statt fand. Pastorin Jedeck sprach darüber, dass unsere Gesellschaft keine gemeinsame Vorstellung mehr davon hätte, was nach dem Tod passieren würde, dass vielen Menschen dieser Halt aber fehlte. Spätestens nach diesen Worten war jedem klar, dass der Gottesdienst dazu da war, der Verstorbenen zu gedenken. Nach der Predigt schließlich sangen der Chor und die Solisten, begleitet vom Kammerorchester, die Kantate „Christus, der ist mein Leben“ von Johann Sebastian Bach (BWV 95). Besonders beeindruckend waren der Mut und das Können von Anastasia Korczynski (Q2) und Romy Pohla (E), die als Solistinnen auftraten. img_5278Als Ehemaliger war Simeon Nachtsheim beteiligt. Eine Kantate von Bach im Gottesdienst in St. Jakobi zu singen, ist eine schöne Tradition geworden, die mittlerweile seit vielen Jahren am Johanneum fortgeführt wird. Als die letzten Klänge der Kantate verstummt waren, setzte sich der Chor zunächst zurück auf seine Plätze. Erst dann wurde den Sängern richtig bewusst, warum sie hier sangen und vor allem, was das Gesungene für eine Bedeutung hat., denn jetzt wurde der Verstorbenen der Gemeinde gedacht. Während des Gedenkens war es leise und nur die Namen der Verstorbenen waren zu hören. Dabei stieg in vermutlich jedem Anwesenden ein ziemlich befremdliches Gefühl hoch, da man nicht einfach nur erfuhr, wie viele Menschen im vergangenen Jahr verstorben waren, sondern auch die Namen und das Alter der Verstorbenen hörte. Dadurch hat man auch bei dem Aufrufen von verstorbenen Menschen, die man persönlich gar nicht kannte, einen kleinen Stich im Herzen gefühlt. Genau diese Verbundenheit zu fremden Menschen macht es auch so wichtig, dass wir als Chor an dem Gottesdienst teilnehmen. Es ist überhaupt nicht wichtig, ob man selber oft in die Kirche geht oder an Gott glaubt. Durch das Singen können wir unser Mitgefühl und unser Verständnis für andere Mitmenschen ganz einfach auf eine andere Weise zeigen. Besonders schön war es auch, dass für jeden Verstorbenen eine Kerze angezündet wurde. Durch das Anzünden der Kerze sollte dargestellt werden, dass die verstorbene Seele nun bei Gott weilt. Vor allem den Angehörigen soll diese Geste Hoffnung geben.. Nachdem der letzte Name genannt und die letzte Kerze im Gedenken an alle Verstorbenen angezündet war, setzte wieder Musik ein. Die leicht bedrückende Stimmung, die während des Nennens der Verstorbenen aufkam, wurde durch die Musik etwas gewendet. Man konnte sich so für einen Moment einfach nur in den Klängen der Melodie verlieren und sich von den Lauten trösten lassen. Nach einigen Mitteilungen der Pastorin, machte sich der Chor schließlich wieder auf den Weg nach vorne und sang „I will lay me down in peace“ von Arthur Sullivan unter der Leitung von Eva-Maria Salomon. Dieses Lied schien allen Anwesenden gefallen zu haben und einige hatten sogar Tränen in den Augen. Beendet wurde der Gottesdienst schließlich so, wie er auch angefangen hatte, mit einem Orgelspiel.

Ich selbst glaube zwarnicht wirklich an Gott, aber die Chorauftritte in solchen Gottesdiensten machen mir deutlich, was Religion für Menschen bedeuten kann und dass Musik immer eine Brücke zwischen ihnen baut.

Kara-Luna Nielsen, Q1d

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