Du hast die Wahl!

DSC08935Am 28. März 2017 fand in der Aula eine politische Podiumsdiskussion für die Jahrgänge E und Q1 statt. Dabei wurde über Themen wie Bildung, Energiewende und Netzausbau,  Naturschutz,  Soziales und  Flüchtlinge bzw. Migration, insbesondere Aussetzung der Abschiebungen nach Afghanistan, gesprochen. Zu Gast waren Vertreter von vier Parteien: Ulrich Krause (CDU), Wolfgang Baasch (SPD), Silke Mählenhoff (Grüne) und Benedict Kölsche (FDP).Herr Dr. Janneck eröffnete die Veranstaltung mit einer freundlichen Begrüßung. Danach DSC08934übernahmen Frau Benkert und Herr Peters die Moderation, und es ging sofort zur Sache. Sie baten die Gäste, sich kurz vorzustellen: Wolfgang Baasch (SPD) ist im Bereich Sozialpolitik tätig. Benedict Kölsche (FDP) studiert Medizin und beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt Bildung. Silke Mählenhoff (Grüne) ist Mitglied der Bürgerschaft und arbeitet im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung mit. Ulrich Krause (CDU) ist Rechtsanwalt, der wirtschaftspolitisch aktiv ist. Sie alle haben bzw. hatten mit einer politischen Jugendorganisation zu tun und möchten die Wünsche der Jugendlichen hören und berücksichtigen. So will zum Beispiel die SPD landesweit Azubitickets finanziell unterstützen, weil die Mobilität wichtig sei. Oder die FDP möchte mithilfe von sozialen Netzwerken die Meinungsbildung der Jüngeren fördern.

DSC08931Nach der Vorstellungsrunde eröffnete Herr Peters die Fragerunde der Schüler. Zu Beginn fragte Lukas Leitner: „Was halten Sie davon, wenn man bei den Bundestagswahlen ab 16 Jahren wählen dürfte?“ Ohne zu zögern, fanden die Vertreter von SPD und Grünen, dass dies eine gute Idee wäre. Anderer Meinung war der Vertreter der CDU. Ulrich Krause antwortete, dass es aus seiner Sicht nicht richtig wäre, denn die Jugendlichen beschäftigten sich größtenteils mit Bildungsfragen, aber noch nicht mit bundespolitischen Themen. Der Vertreter der FDP plädierte dafür, dass sich alle Wählerinnen und Wähler ab 16 Jahren auch wirklich Gedanken über ihre Stimmabgabe machen sollten. Daraufhin fragte Janes Behr: „Ist es nicht gefährlich, von sozialen Netzwerken beeinflusst wählen zu gehen?“ „Leider kann ich das nicht beurteilen, wie soziale Netzwerke einen manipulieren können. Entscheidend ist, sich überhaupt zu informieren“, antwortete Wolfgang Baasch.  Ulrich Krause meinte, dass dies keine Frage des Alters sei. Ergänzend bemerkte Benedict Kölsche: „Mit der Meinungsmache in sozialen Netzwerken wird sich jeder arrangieren müssen, egal ob in der Schulzeit oder in der Zukunft.“ Silke Mählenhoff meinte, dass jeder schon an einer Wahl beteiligt gewesen sei. Sie warf einen praktischen Aspekt wie den Sport auf. Welchem Sportverein trete ich bei? Soll der Sportplatz verlagert werden? Fragen, die in der Kommunalpolitik gestellt werden.

Nach dieser Einführung kam das Thema Bildung ins Gespräch. Hierzu stellten die Schüler viele Frage, wie Morten Peters: „Die CDU ist für das G9-System. Was sagen Sie, Herr Baasch und Herr Kölsche, dazu?“ Andere Fragen waren: „Wie viele neue Lehrerstellen können geschaffen werden?“ „Wieso übernehmen Stiftungen die Kosten für Schulsanierungen?“ „Was sagen Sie dazu, wenn Menschen mit einem Handikap in eine „normale“ Schule integriert werden?“

Die CDU bestätigte die Aussage von Morten Peters. Herr Krause erläuterte, dass G9 besser für die Schüler sei, da sie sich Zeit lassen könnten. Herr Kölsche sagte, dass sich die Schüler individuell entscheiden können sollten, ob sie G8 oder G9 befürworten. Frau Mählenhoff schloss der Meinung der FDP an. Anschließend erläuterte Wolfgang Baasch von der SPD seine persönliche Haltung zur Inklusion: „Es ist sehr anstrengend, wenn Behinderte in einer normale Schule gehen. Die Schule muss sich anpassen, indem mehr Ärzte oder Begleiter eingestellt werden. Außerdem sollte eine gewisse Struktur und Solidarität herrschen.“ Trotzdem ist Herr Baasch genauso wie Herr Krause dafür, dass Kinder mit Handikaps integriert werden sollen. Es sei ein langfristiges Ziel: „Anfangs wäre es eine Herausforderung, aber nach einer gewissen Zeit würde es sich einpendeln. Außerdem ist die Zahl der Benachteiligten gering“, beschrieb Frau Mählenhoff. Die SPD bemerkte hinzu: „Jeder hat das Recht, gleichermaßen beschult zu werden.“

DSC08932

Zum Thema DaZ- Klassen und Migration, insbesondere zur Abschiebung von Migranten, äußerte sich die FDP zuerst. Herrn Kölsches Meinung nach bieten wir den Ausländern eine Bleibeperspektive. Doch er möchte individuell beurteilen, aus welchem Herkunftsland jemand stammt und wie er seinen Asylantrag begründet. „Die Zahl der Immigranten ist sehr hoch und wir können nicht allen eine abgesicherte Zukunft gewährleisten, aber menschlich kann ich jeden Fall verstehen“, meinte Ulrich Krause. Anschließend kam eine Frage von Lukas Rohmeyer: „Wie stehen Sie zu den Abschiebegefängnissen?“ Herr Baasch antwortete, dass er sie für irrelevant halte, sie seien erstens diskriminierend und zweitens sei die Zahl der Straftaten sehr gering. Dagegen meinte Herr Krause, dass wir die Gefährdung durch Flüchtlinge genauer betrachten sollten. Die Vertreterin der Grünen ergänzte, dass wir die Einwanderungsgesetze verschärfen sollten, den Handel im Inland stärken sollten und im ganz Europa die Wirtschaftspolitik verbessern sollten.

Umweltpolitik war das letzte Thema, mit dem wir uns beschäftigt haben. David Bergmann fragte Frau Mählenhoff, wie sie zur Energiewende stünde. Nico Deuerling wollte sich über die zukünftigen Arbeitsplätze informieren. Frau Mählenhoff antwortete: „Wir sind mitten im Prozess. Bald könnten wir vollständig auf Erd- und Solarwärme umsteigen. Speichermedien müssten nur entwickelt werden und die gewonnene Energie müsste auf das ganze Land verteilt werden. Arbeitsplätze gingen auf jeden Fall nicht verloren.“ Dagegen Herr Krause: „Wir können uns nicht vollkommen auf erneuerbare Energiequellen  verlassen. In Windparks werden auch Arbeitsplätze benötigt“. „Was sagen Sie dazu, dass es laut der AfD keinen Klimawandel gibt?“, fragte als letztes interessiert Lennard. Überzeugend erklärte Herr Kölsche, dass die AfD hier seiner Meinung nach ungebildet sei. Sie habe sich vermutlich nicht mit dem weltweiten Co2 Ausstoß befasst.

Leider verflog die Zeit im Nu. Man hätte Stunden ausführlich darüber sprechen können. Im Großen und Ganzen gab es bei dieser Diskussion spannende Wortwechsel, von denen jeder etwas mitnehmen konnte. Alle, die in der Aula saßen, konnten tiefere Einblicke gewinnen und sich ihre Wahlentscheidung überlegen.

Wenn Du  über 16 Jahre alt bist, dann nutze die Chance und geh wählen! Die Landtagswahlen sind am 7. Mai 2017.

Text: Vardan Petrosyan, Q1b

Fotos: André Feller und die Foto-AG

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag