8 Jahre Bearbeitungszeit

Vanessa Nehler und Kamram Vatankhah blickten bei der Abientlassung 2017 auf Ereignisse und Entwicklungen in ihrer Schulzeit zurück:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Lehrer und Schüler,

Gegenwärtige, Ehemalige, und bald Ehemalige,

Anwesende und Eingeschlafene,

Zuschauer und Zuhörer im Rundfunk sämtlicher Nationen

sowie etwaige Großeltern und Verwandte, die das im Nachhinein auf Video sehen,

außerdem alle, die nicht explizit genannt werden wollen.

Diesem Wunsch kommen wir selbstverständlich nach, Herr Fischer.

Und hallo Siecka, darf ich reden?

Damit: Moin. Denn Sie haben bestimmt alle ganz gespannt darauf gewartet, noch jemanden sprechen zu hören.

1.7.2017. Beginn:

11:09 Uhr

Einlesezeit:

8 Jahre

Bearbeitungszeit:

10 Minuten

Maximale Wortzahl:

1500 Wörter

Hilfsmittel:

Rechtschreibwörterbuch, Kreativität, jahrelange Feldstudien, vorgefertigte Notizen

Ok, Aufgabe 1: Skizzieren Sie ihre Schulzeit bezüglich ihrer grundlegenden Charakteristik unter Verwendung von Hintergrundwissen!

…schaffen wir das?

Okay… Name, Datum, Überschrift, diese zweifach unterstrichen, der erste Buchstabe im Text wundervoll verziert und ausgemalt, denn wie fängt man so etwas nur an?

Hm naja, irgendwann wurden wir in diese Bildungsanstalt eingewiesen. Von der Zeit, als wir noch wie verrückt über den Schulhof rannten, bis wir uns später irgendwann fragten, warum diese Spinner aus den unteren Klassen andauernd so in der Schule umherrennen müssen, haben wir einige Mitstreiter verloren, aber auch andere dazugewonnen. Und Klasse für Klasse war das eine schöne Zeit. Ich zum Beispiel durfte regelmäßig kontemplieren und erklären, was denn nach Faulheit käme. Reife, Überreife, Faulheit, Verwesung. Was kommt nach Faulheit? Verwesung. Alle paar Lateinstunden. Schöne Zeit. Es war eine schöne Zeit.

Aber wirklich Jahrgangsübergreifend wurde der ganze Spaß erst vor drei Jahren.

Denn unsere Zeit in der Oberstufe war…sagen wir…vielfältig. Wir haben den ganzen Tag eine Menge gemacht und man kann nicht leugnen, dass auch hin und wieder etwas Sinnvolles dabei war, bei dem wir sogar was gelernt haben. In dem tollen Konzept der Profiloberstufe haben uns aber nicht nur die Hauptfächer geprägt, sondern auch unvorhergesehen die, denen man nicht entkommen konnte. Hier alle Impressionen:

Nehmen wir mal Geschichte: so im Allgemeinen sind wir jetzt in der Lage alles und jeden zu Tode zu analysieren und zu interpretieren. Auch die Dinge, die gar keinen Hintergrund haben. Aber falls wir doch mal Schwierigkeiten damit bekommen, wissen wir inzwischen auch, dass verlegenes Kramen im Ordner oder dem Rucksack einen vor jeglichen Verantwortungen rettet, einschließlich unfertiger Entschuldigungen, nicht wahr, Herr Fischer?

Oder in Englisch: Hier lernten wir viel über Organisation und Zeitmanagement.

Unsere Hauptbeschäftigung war es schließlich, unseren Lehrer mit Klassenausflugsplanungen vom Unterricht abzuhalten. Und wenn das nicht möglich war, widmete man sich entweder der Fortbildung bezüglich der Verwendung mobiler Endnutzergeräte oder ließ einfach nur das Tischmuster auf sich wirken.

Ganz gegenteilig zu dieser überirdisch spannenden Unterhaltung verhielt es sich im Fach Biologie. Denn hier passten wir eigentlich die meiste Zeit höllisch, fast übermenschlich genau, auf, keinen plötzlichen Tod zu sterben, weil wir zuerst den Biotisch und dann unser Frühstück angefasst hatten. Nur durch ihre angemessenen, ab und an wiederholten Warnungen konnten die Biolehrer unser Leben retten. Danke. Die anderen Naturwissenschaften lehrten uns den artgerechten Umgang mit rosa Kaninchen, oder dass man Schüler nicht mit der Influenzmaschine spielen lassen sollte.

Wenn wir den Analyseaspekt jetzt mal auf den ästhetischen Bereich beziehen wollen: Dieser Unterricht war besonders …anspruchsvoll. Neben dem vollen Ausleben künstlerischer Fähigkeiten klöppelte man ahnungslos auf dem Xylophon rum…oder spielte Beethovens Fünfte, Neunte, Dreihundertachtundzwanzigste auf dem edlen Pianoforte. Wohingegen man in Kunst mit voller Inbrunst und Überzeugung im Unterricht über Dinge sprach oder in Klausuren schrieb, die man nicht sah, die angeblich aber, laut Echtzeitrecherche unterm Tisch, mit diesem Bild ausgedrückt wurden.

Auch die anderen Fächer, in denen irgendwie alle von uns Kompetenz heucheln mussten, brachten uns gewisse Dinge bei.

Mathe, Rolfes, dritte Stunde, bedrückte Stimmung: Wir lernen das schöne Spiel “Schülerversenken”.

Wer hat die Hausaufgaben nicht? Dritte Reihe, zweiter von rechts. Treffer. Erste Reihe, fünfter von links. Die Meldung war ein Bluff. Versenkt.

Aber trösteten uns doch immer Herr Seidelmanns aufmunternde Worte: Die schönsten Kurven hat die Mathematik. Die sehen nach 20 Jahren immer noch genau so aus wie am ersten Tag.

Um den sprachlich-ästhetischen Bereich nochmal vollständig abzudecken: In den Fremdsprachen lernten wir, komplett sinnlose Sätze so aneinanderzupuzzlen, dass sie irgendwann zwar keinen Sinn ergaben, aber doch eine abenteuerliche Geschichte. Denn wer kennt sie nicht, die sagenumwobene Purpurschnecke der lateinischen Speerspitze?

Aber die sprachliche Bildung beschränkte sich natürlich nicht auf diese Fächer. Die berühmte “Sozusagenstrichliste” aus Benkertschem Wipounterricht, lehrte uns, uns eine gewisse Sprachhygiene anzueignen, würde ich sagen.

(Tun sie es!)

Auch solche Zögerlichkeiten wurden uns, Herr Fischer, ausgetrieben.

Sprachlich haben wir auch klassenintern geübt, mit Witzen, so schlecht, dass sie beim vorlesen weh täten, deswegen erspare ich Ihnen das, und bei denen man sich am liebsten mit der flachen Hand gegen die Stirn und durch den Kopf geschlagen hätte.

Zu guter letzt darf die körperliche Betätigung natürlich nie zu kurz kommen: Denn nach 5 Jahren Winterbundesjugendspielen können die meisten von uns Jungs inzwischen die Vorwärtsrolle mit anschließendem Strecksprung, 4 von 14 Punkten bei korrekter Form. Je nach Interpretation auch ein Purzelbaum und ein Hüpfer.

Mit diesem Können, nein, diesen quasi gottgleichen Fähigkeiten ausgestattet schickte man uns in die finalen Prüfungen, den ultimativen Beweis unserer Kompetenz. Wir waren perfekt vorbereitet, nicht wahr, Qualitätseinheit Q2e,

natürlich nur auf die richtigen Themen, Niklas,

wissend, in welchem Fach wir geprüft werden, Anselm,

und zu welcher Zeit, Siecka,

informiert, wann es die Ergebnisse gibt, Aenne,

und die Aufgabenstellung bis ins Detail beachtet, Kamran.

zuletzt die vollkommen richtige Wahl getroffen, das Prüfungsfach zu wechseln, Vanessa.

Und doch stehen wir heute alle hier. Tragen schicke Sachen und warten alle gespannt darauf, dass wir es endlich in der Hand halten dürfen. Das Abitur. Wir reagieren wohl alle anders, aber gemeinsam haben wir doch das eine: Wir freuen uns über ein geschafftes Abitur nach 8 Jahren Vorbereitung. Das wollen wir heute Abend dann auch gemeinsam feiern, ganz wie sich das gehört. Denn wir werden einen angemessen netten, äußerst ruhigen Abend mit nur geringfügigem Alkoholkonsum und langsamem Walzer vor uns haben. Das wird unvergesslich! Auch wenn unser Jahrgang eigentlich grundverschieden ist. Charakteristisch hierfür sind die Abstimmungen, die regelmäßig mit dem gleichen Anteil an Stimmen für jede Wahlmöglichkeit ausgingen. Aber trotzdem kamen schöne Aktionen zustande, die uns in Erinnerung bleiben werden: Unsere kreativen, superprofessionellen Poetry Slams oder unsere durchaus lustigen Mottotage, bei denen alle am Mittwoch ihre innere Zugehörigkeit gefunden haben, und in ihrer Rolle als Assi aufblühten. Auch unser Abistreich war trotz strengen Reglementierungen ganz unterhaltsam für die Mehrheit, oder zumindest das, was davon in Erinnerung blieb.

Aber nach dem heutigen Höhepunkt unserer schulischen Laufbahn? Wenn alle um 6 Uhr morgens perfekt geradlinig nach Hause geschunkelt und ohne Blasen an den Füßen und vollkommen nüchtern ins Bett gefallen sind? Was wird dann aus uns? Wohin gehen wir, wenn wir am nächsten Morgen um 16.30 in aller Frische aus dem Bett springen?  Wir haben alle so viele Träume, viel zu erledigen oder nix zu tun, wir wollen Spacemaster, Weltherrscher, und Büroangestellte werden, wichtige Dinge tun, uns um wichtigeres Sorgen machen, gehen weg zum Studieren, oder bleiben zum gammeln, werden sesshaft, lassen uns ausbilden oder ziehen in die Welt, in der Hoffnung, jemals zurückzukehren oder irgendwo anzukommen.

Wer weiß, ob wir uns dann je wiedersehen.

Deswegen möchten wir euch an dieser Stelle bereits viel Glück für die Zukunft wünschen, und uns bei allen für diese Zeit bedanken. Wir wünschen euch, dass ihr nie wieder so gespannt auf eure Entlassung wartet.

Natürlich möchten wir uns gleichzeitig auch bei allen Lehrern bedanken, die mit der anstengenden Aufgabe betraut waren, sich in unseren wahrscheinlich schwierigsten Jahren mit uns herumzuschlagen. Sie sorgten unter anderem dafür, dass ich jetzt antworten kann: Was kommt nach Faulheit? Abitur. Vielen Dank, Sie haben ihr Bestes gegeben!

Ich persönlich möchte gerne nochmal besonderen Dank an unseren Oberstufenleiter und meinen Lateinlehrer Hajo Höhn richten. Sie haben sich in Ihrem Amt als Oberstufenleiter für uns als mehr als kompetent erwiesen. Sie sind bei jedem Anliegen immer für uns da gewesen und standen uns mit Rat und Tat zur Seite. Auch wenn wir Schüler genervt haben oder ziemlich blöde Ideen umgesetzt haben wollten, Sie sind immer freundlich geblieben. Mit einem gewissen Humor und Erfahrungswissen haben Sie versucht, uns so gut es geht zu unterstützen. Auch ich hätte offensichtlich lieber auf Sie hören sollen, aber wie Jugendliche so sind…Es war immer gut zu wissen, dass es jemanden gibt, der für uns Schüler da und auf unserer Seite ist.

Aber nicht nur für Ihre Dienste als Oberstufenleiter, sondern auch als Lateinlehrer möchten ich Ihnen danken. Gerade in einem eher trockenen Fach wie Latein ist es wichtig, dass der Lehrer voll und ganz hinter seiner Sache steht, und das hat man Ihnen angemerkt. Sie hatten so viel Spaß am Unterrichten, dass es für uns, mindestens für mich, sehr motivierend war, mit Ihnen zu arbeiten.

Damit möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken, dass Sie immer einen so tollen Job für uns gemacht haben! Vielen, vielen Dank und alles Gute weiterhin!

Genug verspätete Schleimpunkte gesammelt –

Mit diesen Worten möchten wir uns von Euch fürs Erste verabschieden.

Wir wünschen Euch natürlich alles Gute und viel Erfolg für eure Zukunft.

Bleibt auf keinen Fall, wer ihr seid!

Erobert die Welt für Euch und werdet glücklich!

Wir sind uns sicher, wir schaffen das!

Vielen Dank

Vanessa Nehler und Kamran Vatankhah

 

 

 

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag