Mut zu Neuem!

DSC01853Die Glockenschläge für 12 Uhr verhallen langsam in dem hohen Gewölbe der Jakobikirche und Musik ertönt, bevor der Pastor den Gottesdienst beginnt. Eigentlich kein ungewöhnlicher Anblick, nur dass nicht eine ältere Gemeinde ihn feiert, sondern alle Reihen der Kirche mit Schülern des Johanneums und Oberstufenschülern anderer Schulen gefüllt sind und auch das Orchester, das vorne unter dem hohen Altar sitzt, nur aus Jugendlichen besteht. Wie kommt es dazu?

Ursprünglich begann es alles mit einem Gewitter. Einem ganz normalen, wenn auch ungewöhnlich starken Gewitter vor etwas über 500 Jahren. Dem Gewitter, das Martin Luther dazu brachte, Mönch zu werden und schließlich auch die evangelische Konfession zu gründen. Und um das zu feiern, hatten wir uns in der Kirche versammelt.

Luthers Leben und sein Werk wurden durch seinen Mut möglich: den Mut, über das hinaus zu sehen, an das alle anderen in dieser Zeit fest glaubten und den Mut, seine Überzeugung auch gegen die gesamte Macht der damaligen Welt zu verteidigen und sich selbst treu zu bleiben. Mit diesem Mut befasste sich dann auch unser Gottesdienst, der von Schülern auch selbst geplant und durchgeführt wurde.

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Verschiedene Religionskurse der Oberstufe hatten sich auf unterschiedliche Art mit dem Thema auseinandergesetzt und präsentierten uns nun ihre Ergebnisse. Zunächst hatten einige Schülerinnen und Schüler Passanten in Lübeck gefragt, was für sie Mut denn eigentlich sei und die Antworten aufgenommen.

„Mut ist es, von einer Klippe zu springen“, hatte ein Junge gesagt. Ist das wirklich mutig? Oder vielleicht doch eher „seine eigene Meinung zu vertreten?“ Was Mut für uns bedeutet, muss jeder einzelne für sich entscheiden. Aber wir können uns einig sein, dass all das, was Luther getan hat, auf jeden Fall viel Mut verlangt haben muss. Die ganz verschiedenen Arten von Mut, die Luther im Laufe seines Lebens zeigt, waren das Thema einer anderen Gruppe gewesen.

Ein dritter Kurs übertrug dies schließlich in unsere Zeit und stellte fest, dass wir noch an vielen Stellen reformatorischen Mut gebrauchen können. Ob bei der Gleichstellung von Mann und Frau, der Bekämpfung von Diskriminierung oder einfach, wenn es darum geht, andere (und sich selbst) so zu akzeptieren, wie sie nun mal sind, und dazu auch zu stehen, ist solcher Mut immer notwendig.

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Immer zwischen diesen kurzen Beiträgen spielten unsere Bigband oder das Sinfonieorchester und der Chor sang, teilweise auch mit der Gemeinde zusammen. So begann das Sinfonieorchester den Gottesdienst mit einem musikalischen Auftakt zu dem Motiv von Luthers bekannstestem Lied „Ein feste Burg“, und die Bigband begleitete uns mit verschiedenen Stücke, so wie Freddie Freeloader und Early Morning, durch den Gottesdienst. Ein musikalischer Höhepunkt war eine festliche Reformationssinfonie, die Chor und Orchester gemeinsam musizierten. Alle gemeinsam sangen wir die Lieder „Ein feste Burg“ und „Mögen sich die Wege“.

In der ganzen Kirche sind zusätzlich auch noch die Werke von Kunstkursen aus den Jahrgängen 9 und Q2 ausgestellt, die sich im Stil des Künstlers Keith Haring beziehungsweise fotografisch mit Luther und Mut befasst hatten.

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Das musikalische Finale stellte dann das Stück „From a distance“, gespielt von der Bigband und gesungen von Louise Peyk, dar und mit einem großen Applaus für alle Mitwirkende kam dieser ganz besondere Gottesdienst schließlich zu einem Schluss.

Hoffentlich hat dieser Gottesdienst uns alle etwas zur Besinnung gebracht und wir können jetzt frohen Mutes in die Herbstferien starten.

Text: Svenja Benkert und Lilly Hardt (E)

Fotos: Vardan Petrosyan (Q2), Knut Peters und André Feller

Während die 9. bis 12. Klassen in St. Jakobi Gottesdienst feierten, waren die 5. und 6. Klassen in der Marienkirche, und die 7. und 8. Klassen in St. Aegidien. So können nach dem Reformationsjubiläum am 31. Oktober alle mit neuem Mut wieder mit dem Unterricht beginnen.

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