WIWAG

signal-2018-09-07-194118Was sind eigentlich Umsatz und Gewinn? Wofür steht CEO? Was muss ein Personalmanager beachten? Welche Mitglieder hat ein Vorstand und wie arbeitet er? Warum gibt es immer Streit um die hohen Gehälter von Topmanagern? Was muss man können, um erfolgreich in einem Vorstand zu arbeiten? Und wie wird ein großes Unternehmen gelenkt?

Mit solchen Fragen und noch viel mehr starteten wir in die Woche: 36 Schüler*innen von vier Schulen: drei Lübecker und eine Wismarer Schule. Am Montag um neun Uhr warteten wir alle gespannt im Großen Gemach der Kaufmannschaft Lübeck auf unsere Einführung in WIWAG.

Was ist WIWAG überhaupt? Die Wirtschaftswochen-Aktiengesellschaft ist eine Simulation der Leitung von Unternehmen für Schüler*innen oder Student*innen. Im Laufe einer Woche werden durch Vorträge, Erfahrungsberichte und Unternehmensbesuche die Grundlagen dessen vermittelt, was ein Vorstand können muss.

So standen wir dann da, ganz normale Schüler direkt aus der Schule mit höchstens rudimentären Kenntnissen von Betriebswirtschaftslehre, und lauschten den einführenden Worten der Vertreter der Kaufmannschaft Lübeck gespannt und leicht sorgenvoll, wie wir das alles bewältigen sollten.

Nur wenige Stunden später hatten diese einfachen Schülerinnen und Schüler sich bereits in Vorstandsvorsitzende, Personalleiter und Finanzvorstände verwandelt, die eifrig zu diskutieren begannen, was im jeweiligen Unternehmen so getan werden müsse. Denn genau das bedeutet WIWAG: Eine Simulation, bei der Schülergruppen in die Rolle des Vorstands eines Unternehmens schlüpfen und so spielerisch erfahren, wie Unternehmen gelenkt und gesteuert werden.

Jeder Vorstand der insgesamt sechs Unternehmen bestand aus einer oder einem Vorstandsvorsitzenden (CEO = Chief Executive Officer), einem Kommunikations-Vorstand (CCO), einem Finanzvorstand (CFO), einem Marketing-Vorstand (CMO), einem Vorstand für innerbetriebliche Prozesse (COO) und einem Personalvorstand (CHRO). In den Spielrunden musste jeder dieser Vorstände seinen Bereich vertreten und gegen Einwürfe anderer Abteilungen verteidigen.

Jede Spielrunde wies ihre Besonderheiten auf: Manchmal stiegen die Öl- und somit Energiekosten aufgrund der Krise im Nahen Osten plötzlich an, mal attackierte ein Konkurrent aus Südkorea den deutschen Markt im Niedrig-Preis-Sektor, oder aber der US-Präsident hatte (relativ) plötzlich und unerwartet Strafzölle von 20% verhängt. Dies, so mussten wir feststellen, machte die Konkurrenz mit ausländischen Unternehmen faktisch unmöglich, wenn man auch noch Gewinn erzielen wollte. Eine Krisensituation für alle Unternehmen, die vorher kräftig in den Auslandsmarkt investiert hatten, die so auch für echte Unternehmen in Wirklichkeit existiert. Allerdings ist der Auslandshandel natürlich nicht, wie in diesem Szenario dargestellt, vollständig den Entscheidungen des US-Präsidenten unterlegen.

Am Mittwochvormittag trafen wir uns bei der Lübecker Firma Brüggen, um einmal zu erfahren, wie es nun in einem echten Unternehmen aussieht. Nach einer kurzen Einführung in Unternehmensgeschichte und Aufbau von Brüggen besichtigten wir die Produktion von Müsli und Müsliriegeln – natürlich in obligatorischer Schneemann-Montur.

In den Vorstandssitzungen konnte man den Einsatz ständig spüren: teilweise sehr heiße und erbitterte Diskussionen wurden geführt, manchmal wiesen uns die Spielleiter noch 20 Minuten vor Schluss auf irgendeinen dramatischen Rechenfehler hin, den wir dann noch in großer Eile und mit nicht allzu wenig Stress korrigieren mussten. Aber wir waren unseren Spielleitern immer dankbar! Wir mussten auch lernen, dass ein Verkalkulieren um 9 Millionen Euro dann eben schnell zu einem 9 Millionen Euro hoch verzinsten Überbrückungskredit führen kann, wie ein Unternehmen zu seinen Kosten feststellen musste. Am Meistern von Krisensituationen und an der positiven Darstellung vor den Gläubigern des Unternehmens konnten jedenfalls fast alle Vorstände sich einmal erproben.

Am letzten Tag erschienen alle schon in Business-Kleidung für die Hauptversammlung, die am Nachmittag stattfand. Die Hauptversammlung selbst war viel lustiger, als manch einer es vielleicht erwartet hätte: Alle Unternehmen trugen zunächst sehr professionell die Ergebnisse der jeweiligen Betriebe vor und stellten sich Fragen von Aktionären, Gewerkschaftsvertretern und Aufsichtsräten – ganz, wie auf einer echten Hauptversammlung. Allerdings kamen auch amüsante Situationen zustande, wenn Unternehmen sich noch ganz ideal verhalten hatten: bei fragwürdigen Kontakten zu Regierungsmitgliedern (niemals jedoch Bestechung!) oder bei Entlassungen von mehr als einem Drittel des ursprünglichen Produktionspersonals etwa brach der ganze Saal in schallendes Gelächter aus.

WIWAG war für uns alle eine große Herausforderung, aber es macht so viel Spaß, weil die ganze Anstrengung  am Ende auch etwas bringt. Wenn man in der 1. und 2. Spielrunde noch nicht verstanden hatte, wie man den Unternehmensbericht sinnvoll begutachtet und interpretiert, dann klappte es eben vielleicht in der 3. oder 4. Runde. Das Arbeiten in einem motivierten Team, das auch etwas voranbringt, hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht. Vor allem aber gab es uns die Chance, in einem Kontext, der nichts mit Schule zu tun hat, etwas über ein Thema zu lernen, das für viele von uns in unserem späteren Leben einmal von riesiger Bedeutung sein wird. Der Wissenszuwachs und Verständniszuwachs während dieser einen Woche ist im Nachhinein kaum zu glauben – und dabei hat es auch noch einen Riesenspaß gemacht. All dieses konnte natürlich nur aufgrund des (ehrenamtlichen!) Einsatzes von vielen verschiedenen Leuten geschehen, die WIWAG überhaupt erst möglich machen.

Herzlichen Dank an alle Partner von WIWAG, alle Unternehmer*innen, die uns ihre jeweiligen Fachbereiche näher gebracht haben, unsere Lehrer*innen, die unser Fehlen während dieser Woche zugelassen haben und teilweise an der Organisation mit beteiligt waren, die Kaufmannschaft Lübeck, die uns immer mit Rat, Verpflegung und Technik (neben den Räumlichkeiten selbst) zur Seite standen, und vor allem unsere beiden Spielleiter Axel Schrader und Egon Biank, die zum Teil noch neben ihrem Job uns eine ganze Woche betreut, gecoacht und aus großen Problemen gerettet haben. Ohne euch hätte WIWAG – zumindest in dieser grandiosen Form – nie stattfinden können und dafür danken wir euch ganz herzlich!

Text: Svenja Benkert, Q1b

Foto: Frau Benkert

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