„Ein kleines, warmes Licht“
Mehr Weihnachtsstimmung als bei den Lucia Konzerten gibt es wohl kaum. Am 10. Dezember war es wieder so weit. Alle unsere Chöre kamen in St. Aegidien zusammen, um anlässlich des skandinavischen Lichterfestes Lucia gemeinsam zu singen.
Zweimal füllte sich der Kirche an diesem Tag bis auf den letzten Platz, das Licht ging aus und es wurde still in der Kirche. Nach der von zwei Kindern solistisch gesungenen Ankündigung der Lichterkönigin kam die Lucia herein und brachte das Kerzenlicht, das dann in allen Chören verbreitet wurde. Im Konzert wurden Lieder aus verschiedenen Ländern gesungen. Einige auch aus Schweden, wo das Lucia-Fest entstanden ist. Mehrere Schüler:innen beeindruckten durch solistische Vorträge.
Neben der Musik wurden außerdem zwei Texte vorgelesen. Ein Gedicht auf Schwedisch, das Gustav Hedde, Ec, vortrug und eine Weihnachtsgeschichte, in der es darum ging, was an Weihnachten wirklich wichtig ist: Menschen zu haben, mit denen man die Feiertage verbringen und das Miteinander wertzuschätzen kann. Greta Alscher, Q1a, hat diese Geschichte geschrieben, und Lykke Boldt, 7d, hat sie vorgelesen.
Ein kleines Licht
In seinem Zimmer war es dunkel. Keine Lampe, keine Kerze brannte. Nur einzelne Lichtstrahlen der Straßenlaternen fielen durch das Fenster und zeichneten schwache Muster auf den Boden. Draußen war es kalt. Es schneite. Hastig eilten Menschen die Straße entlang, getrieben von ihren letzten Besorgungen. Hier fehlte noch das Geschenk für die Mutter, dort musste noch etwas fürs Festessen eingekauft werden. Jeder versuchte, den anderen zu überholen – doch in Wahrheit rannten sie nicht gegeneinander. Sie rannten gegen die Zeit.
Und die verrann mit jeder Sekunde, während die Hektik der Menschen wuchs. Morgen ist Heiligabend. Er saß in seinem Sessel am Fenster. Schon den ganzen Nachmittag beobachtete er das Kommen und Gehen, das Hetzen und Rennen. Die Menschen da draußen waren für ihn bloß Schatten im Licht der Laternen. Er fragte sich, warum niemand innehielt, um den Augenblick zu genießen. Der Schnee war doch nicht zu übersehen, die Straßen leuchteten hell.
Dunkel war es nur in seinem Zimmer. Nicht, weil er den Strom nicht bezahlen konnte. Nicht, weil er kein Licht hätte anzünden können. Nein – er ruhte in der Dunkelheit, weil sie ihn schützte. Im Dunkeln musste er die Bilder seiner Tochter und Enkel nicht sehen. Im Dunkeln fühlte er die Einsamkeit weniger, die sich im Licht unbarmherzig zeigte. Das Licht offenbarte die Wirklichkeit – und dieser wollte er entkommen. Er fühlte sich allein, mitten unter all den Menschen. Wie ein Fremder in seiner eigenen Stadt. Weihnachten stand vor der Tür – einst ein Fest der Nähe, der Familie, der Liebe. Seine Frau war seit Jahren tot. Seine Tochter lebte ihr eigenes Leben, eingespannt in Arbeit und Alltag. Er blieb zurück, still und unbeachtet, in seinem dunklen Zimmer. Die Schneeflocken tanzten draußen, als wollten sie sich am Wettlauf der Menschen beteiligen. Er jedoch konnte nicht mehr laufen. Er saß nur da, wartete, starrte in die Leere.
Klopf, klopf — klopf, klopf. Ein Geräusch. Dumpf, fast wie aus der Ferne. Klopf, klopf — klopf, klopf. Da war es wieder. Täuschte er sich? Besuch erwartete er keinen. Vielleicht ein Paket für die Nachbarn. Er blieb sitzen. Klopf, klopf — klopf, klopf. Das beharrliche Klopfen riss ihn schließlich aus seiner Starre. Langsam erhob er sich aus dem Sessel und ging zur Tür. Als er sie öffnete, stockte ihm der Atem. Seine Tochter stand davor – mit ihrem Mann und den Kindern. Überwältigt, beinahe unbeholfen, bat er sie herein. „Opa?“, fragte die Enkelin leise und sah sich um. „Warum ist es hier so dunkel?“ Noch bevor er antworten konnte, drückte sie mit einem kleinen Klick den Lichtschalter.
Plötzlich erstrahlte der Raum. Hell. Warm. Lebendig. Er blickte sich um – dieselben Wände, dieselben Möbel, und doch schien alles anders. Er lächelte. „Manchmal vergisst man,“ sagte er leise, „dass es nur einen kleinen Schalter braucht, um das Licht wieder anzumachen.“ Seine Tochter nickte und erwiderte sein Lächeln. Draußen fiel weiter der Schnee – doch in ihm war etwas erwacht: ein kleines, warmes Licht.
Zusammenkommen, zur Ruhe kommen und zuhören – dafür geben auch die Lucia Konzerte seit 2004 jedes Jahr Raum. Ein großer Dank dafür geht an Frau Salomon, Frau Maetzel und Frau Neubert.
Emma Rostalski, 10e, für die Presse-AG
Fotos: Guido Kollmeier, Martin Salomon und André Feller






































































































