Starke Stimme, starkes Handeln!
Gedankenexperiment: Wo siehst du dich in 20 Jahren? Wo lebst du? Allein oder in einer Familie, welchen Job hast du, bist du glücklich?
Von einer ehemalige Johanneerin haben wir erfahren, was ihr Leben zu dem gemacht hat, was es heute ist und welche Erfahrungen sie auf ihrem Weg besonders geprägt haben.
Jana Schneider, die 2010 Abi am Johanneum machte, lebt heute noch in Lübeck. Als Mutter von drei Kindern arbeitet sie im Flüchtlingsforum Lübeck (seit 2007) und engagiert sich besonders in der Initiative Hafenstraße.
Vom Couragetreff zu einem Interview eingeladen, kam sie in ihre ehemalige Schule und berichtete von ihrem Engagement, welches bereits in der Oberstufe am Johanneum begann. Bereits damals merkte sie, dass man aktiv werden und etwas bewirken kann.
Früh engagierte sie sich im Flüchtlingsforum und wurde dort mit den Ereignissen des Brandanschlags am 18. Januar 1996 auf die Geflüchtetenunterkunft in der Hafenstraße 52 konfrontiert, bei der 10 Menschen starben und 39 zum Teil schwer verletzt wurden. Seither ist sie federführend bei den jährlichen Gedenkveranstaltungen.
Noch immer ist nicht geklärt, was in der Nacht des Anschlags wirklich passierte. Zur Tatzeit befanden sich vier Männer aus Grevesmühlen in der Straße, die Kontakte in die rechtsextreme Szene hatten. An ihren Körpern wurden später Brandspuren festgestellt, die sie mit abstrusen Begründungen wie, dass sie mehrere Tage vorher einen Hund angezündet hätten, zu erklären versuchten. Alle Behauptungen konnten später von der Gerichtsmedizin widerlegt werden, da die Sengspuren an den Augenbrauen zu frisch waren. Des weiteren verfügten die Männer über Täterwissen. Trotz aller Nachweise wurden sie noch am selben Abend freigelassen. Später wurden sogar mehrfach von zwei der vier Männer Geständnisse abgelegt, die jedoch nie zu einem neuen Verfahren führten.
Außerdem wurde ein libanesischer Bewohner des Hauses verdächtigt. Er soll die Tat gestanden haben, hat dies jedoch später mehrfach verneint und wurde nach zwei Verfahren schließlich vor Gericht freigesprochen. Nach Analyse einer Tonspur, die zuvor als belastendes Indiz gegolten hatte, stellte sich heraus, dass das, was zuvor als „belastende Aussage“ gewertet wurdre, lediglich durch das knarzen einer Tür verursacht worden war.
All dies verdeutlicht die Absurdität des juristischen Vorgehens um den Brandanschlag in der Hafenstraße.
Wenn ihr euch nun etwas genauer mit dem Thema „Hafenstraße“ auseinandersetzen möchtet, findet ihr hier weitere Infos sowie eine genaue chronologische Anordnung aller Vorkommnisse:
Die Begegnung mit Jana war für uns anregend und augenöffnend.
Und wir als Schüler:innen des Johanneums fragen uns: Wo sehen wir uns in 20 Jahren? Wo haben wir uns eingebracht und selbstwirksam erlebt?
Couragetreff






