„Don‘t protect your daughters, educate your sons!“

Doch was heißt dieser Spruch eigentlich genau?
Übersetzen wir ihn wortwörtlich ins Deutsche, erhalten wir: „Beschützt nicht eure Töchter, sondern bildet eure Söhne!“.
Diese Aussage stellt die Forderung einer bestimmten Reaktion auf die Gewalt, die Frauen immer noch aufgrund von strukturellem Sexismus tagtäglich erleben, dar. Geschlechtsspezifische Gewalt ist real und muss durch Aufklärung von potenziellen Tätern verhindert werden (Mehr dazu unter: https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/femizide-und-gewalt-gegen-frauen/).
Die gesellschaftliche Reaktion auf diese reale Bedrohung überträgt oftmals die Verantwortung auf eigentliche Opfer. So wird beispielsweise die Kleidung eines Mädchens, welchem ein sexueller Übergriff widerfahren ist, als Provokation dargestellt oder Frauen wird eintrichtert, sie müssen nur besser auf sich aufpassen; ihre Gläser beim Feiern bedecken, um nicht versehentlich KO-Tropfen zu sich zu nehmen oder am liebsten gar nicht abends das Haus verlassen. Die Verantwortung von Straftaten liegt jedoch immer bei den Tätern selbst.
Unser Aufruf bedeutet also, die Schuld und Verantwortung bei übergriffigen oder gewalttätigen Handlungen bei den Tätern zu suchen.
Sind die Täter immer Männer? Nein. Es gibt ebenso Gewalt gegen Männer, die von Frauen ausgeht. Opfer- und Täterrolle können keinen Geschlechtern zugewiesen werden. Gewalt gegen Frauen ist jedoch nicht nur weitaus verbreiteter, sondern auch oftmals durch Misogynie begründet und ein Symptom gesellschaftlicher, diskriminierender Strukturen. Auf ebendiese machen wir am feministischen Kampftag aufmerksam.

Kann Bildung allein eine genügende Prävention von Gewalt und Sexismus darstellen?
Es geht bei dem Aufruf, seine Söhne zu bilden, nicht um die klassische Schulbildung. Ein akademischer Abschluss bewahrt niemanden vor Stereotypen oder gefährlichen Verhaltensmustern. Worum es geht, sind Erziehung und Aufklärung über gesellschaftliche Missstände und das Vermitteln der Fähigkeit zu Empathie und sozialem Verhalten. Diese stellen durchaus einen Ansatz zur Gewaltprävention dar.

Warum feministischer Kampftag und nicht Weltfrauentag?

Der Couragetreff entscheidet sich bewusst für die Bezeichnung „feministischer Kampftag“ anstatt „Weltfrauentag“ für den 8. März. Dieser Begriff wurde bereits 1911 verwendet und kommt ursprünglich aus der sozialistischen Frauenbewegung, welche unter anderem für das Frauenwahlrecht kämpfte. Es handelt sich dabei um einen Protest- und Aktionstag.
Die Bezeichnung „Weltfrauentag“ dagegen wurde häufig in kommerziellem Kontext für Marketingaktionen verwendet. So wird dieser Begriff leicht mit einem Feiertag assoziiert, an welchen Unternehmen Blumen an Frauen verschenken. Dies ist zwar durchaus eine nette Würdigung, es wird dem immer noch bestehendem „Kampf“ für Gleichberechtigung (z.B. gegen Lohnungleichheiten, Gewalt gegen Frauen und bestehenden Sexismus) allerdings nicht gerecht.
Außerdem können durch den Begriff des Kampftags alle Betroffenen angesprochen werden (auch nicht-binäre, trans und intergeschlechtliche Personen), während das Wort „Weltfrauentag“ diese Gruppen exkludiert.

„My body, my choice!“

Zu deutsch: „Mein Körper, meine Entscheidung“, ist ein politischer Slogan, den man auf jeder feministischen Demonstration finden kann. Er beschreibt einen indiskutablen Grundsatz der Gleichberechtigung und Menschenwürde, indem er das Recht der körperlichen Selbstbestimmung einfordert. Dieses wurde Frauen über Jahrhunderte (und teilweise bis heute) entzogen und das nicht nur im Bezug auf Abtreibung, sondern ebenfalls im Kontext ihrer Sexualität, Kleidung und Identität.

Couragetreff