„Familie ist, wenn man weiß, wer die Treppe runterkommt, ohne hinzusehen.“

Familie ist Geborgenheit. Einheit. Familie kann auch Stress bedeuten. Streit. Aber überhaupt eine Familie zu haben, macht dankbar. – Gedanken aus dem Stück „Familie“, das der WPU Kurs Darstellendes Spiel 10 mit Frau Maack am 10. März 2026 in der Essigfabrik präsentierte.

Die Außenstelle des Lübecker Theaters an der Kanalstraße war ganz genau bis auf den letzten Platz gefüllt, als die 17 Schüler:innen des DSP-Kurses, technisch unterstützt von Frederik Adler, Q1e, in selbstenwickelten Szenen die unterschiedlichsten Facetten des Themas „Familie“ ausleuchteten. Im Wechsel von O-Tönen aus dem Off, in denen neben den Jugendlichen offensichtlich auch Eltern und Großeltern zu Wort kamen, Szenen in kleiner Besetzung und der gesamten Gruppe auf der Bühne, erlebte das Publikum absolut unterschiedliche Stimmungen.

Familie – das ist Zusammenhalt, Liebe. Gemeinsames Spielen. Verstanden werden. Füreinander einstehen. „Familie ist das, was schon immer da war.“ „Familie sind Menschen, die Dich am besten kennen und trotzdem lieben.“ Mutig und mit selbstbewusster Bühnenpräsenz verkörperten die Schauspieler:innen dieses Glück.

Genauso schlüpften sie wechselnd in verschiedene familiäre Rollen und zeigten auch den ganz normalen Nerv: „Die Milch ist alle.“ „Hast Du meine schwarze Hose gesehen?“ „Warum hast Du den Geschirrspüler nicht ausgeräumt?“ Familie bleibt, auch wenn man sich angrätzt.

Aber es gibt auch zerbrochene Familien. Kinder, die ganz ohne Familie aufwachsen. Von einer sensiblen Choreographie begleitet nannten die Darsteller:innen bedrückende Zahlen.

Eindrücklich war auch ein Exkurs zu einer ausgesprochen bekannten Lübecker Familie: Die sechs Kinder von Katia und Thomas Mann stritten darum, wer mehr elterliche Liebe bekäme, warfen ihrem Vater vor, sie nicht in gleicher Weise wahrzunehmen und zeigten so stellvertretend, wie verletztend und fragil Familienkonstellationen sein können.

Am Ende blieben ein berührtes und begeistertes Publikum und der Dank: Der der Jugendlichen für ihre Familien und auch für ihre Lehrerin Christiane Maack und der für ein eindrückliches und professionell präsentiertes Stück.

Inken Christiansen