Persönlich, kreativ, lustig – was ist das Besondere an „Forschen und Lernen“?

„Wenn ich Donnerstag nachmittags nach der Forschen-und-Lernen-Stunde nach Hause komme, will ich weiterarbeiten an meiner Forschungsfrage.“

Ein Interview mit Emilia, Lasse und Eva aus der 8c zum Fach Forschen und Lernen.

Was hat es mit dem rot-schwarzen Buch auf sich, das gerade vor euch liegt?

Emilia: Das ist mein Forschungsbuch. Ich benutze es – ehrlich gesagt – nicht, weil ich eher den Laptop nutze, um digitale Mitschriften zu machen.

Lasse: Ich benutze das Forschungsbuch gerne. Es ist eine tolle Möglichkeit, in das Buch zu schreiben und zu notieren, was man recherchiert.

Eva: Ich kann damit gut meine Fortschritte in der Forschungsfrage dokumentieren und mag das analoge Arbeiten.

Was gefällt dir persönlich an Forschen und Lernen besonders gut?

Emilia: Dass wir uns das Thema selber aussuchen und eigene Ideen einbringen können.

Lasse: Die Einteilung der Arbeit ist nicht so stressbestimmt (wie beispielsweise bei Terminen für Klassenarbeiten). Außerdem mag ich es, dass wir das Thema aussuchen können, mehr Freiheit beim Lernen haben und die langfristige Zeitplanung im Projekt.

Eva: Ich finde es gut, alleine an einem Projekt zu arbeiten, das wir uns selber aussuchen dürfen.

Was ist anders als im normalen Unterricht?

Emilia: Wir können, wenn wir uns dafür qualifiziert haben, entscheiden, wo wir hingehen wollen zum Arbeiten und auch nach Absprache das Schulgelände verlassen. Wenn ich Donnerstag nachmittags nach der Forschen-und-Lernen-Stunde nach Hause komme, will ich weiterarbeiten an meiner Forschungsfrage.

Eva: Speziell an Forschen und Lernen ist das selber Aussuchen, selber Einteilen: die Eigenständigkeit beim Lernen.

Welches Forschungsfrage hast du und wie bist du darauf gekommen?

Emilia: Meine Frage lautet „Unter welchen Bedingungen ist außerirdisches Leben auf Planeten möglich?“. Mich interessiert Astronomie und ich möchte später etwas damit machen. In der Schule wurde Astronomie bisher nicht explizit behandelt, deswegen finde ich es toll, dass ich nun daran arbeiten kann.

Lasse: Zuerst hat sich meine Forschungsfrage mit Nanobots auseinandergesetzt. Durch ein Buch bin ich darauf gekommen. Aber das Thema hat mir später nicht mehr so gut gefallen. Deshalb habe ich meine Frage zu „Warum lügen wir“ geändert. Mich interessiert daran, warum das so ist, dass ich lüge, und dann (er lacht) habe ich auch ein gutes Argument, wenn ich mit meinen Eltern diesbezüglich diskutiere.

Eva: „Menschliche und tierische Psyche: welche Gemeinsamkeiten gibt es?“ lautet meine Frage. Erst hatte ich gar keine Idee für eine Frage, dann bin ich durch meinen Traumberuf (Therapeutin, Psychologin) auf dieses Thema gekommen.

Wie gehst du bei Forschen und Lernen vor? Welche Methoden hast du bisher genutzt?

Emilia: Zuerst habe ich mir mithilfe KI eine Struktur für meine Frage erstellt. Zu den Unterthemen habe ich im Internet und Büchern recherchiert. Dann habe ich mir ein Modell überlegt zum Veranschaulichen und dieses Modell des Sonnensystems aus Puzzlesteinen gebaut.

Lasse: Vieles zu meiner Forschungsfrage habe ich aus dem Internet. Noch habe ich nicht mit KI gearbeitet, weil ich da skeptisch bin, vielleicht mache ich das später aber noch. In Stichpunkten habe ich alles Wissenswerte verkürzt abgeschrieben. Momentan plane ich eine Umfrage zur ungefähren Fragestellung: wie oft Lügen wir und wann?

Eva: Ich habe auch viel im Internet recherchiert, ein bisschen mit KI gearbeitet. Dann habe ich eine Umfrage gemacht; eine Frage der Umfrage lautet etwa: Was bedeutet Psyche für dich?

Gab es Momente, in denen du nicht weiterwusstest? Wie hast du das gelöst?

Emilia: Mir ist aufgefallen, dass mein Plakat: zu viele Informationen hatte. So kam die Idee mit dem Modell, womit ich Informationen sozusagen auslagern konnte.

Lasse und Eva: Da fällt uns nichts Konkretes ein. In einem solchen Fall würden wir Freund:innen und Eltern fragen.

Welche Fähigkeiten brauchst du besonders bei Forschen und Lernen?

Emilia: Durchhaltevermögen, damit man das Interesse nicht verliert. Wichtig ist auch der Moment der Themenwahl.

Lasse: Umgang mit Laptops: wie kann ich einen Laptop benutzen, ohne mich ablenken zu lassen. Ich glaube, das ist eine wichtige Fähigkeit.

Eva: Kreativität und Selbstkenntnis, zum Beispiel darüber, wie und wo man am besten lernen kann.

Was würdest du jüngeren Schülerinnen und Schülern über Forschen und Lernen sagen?

Emilia: Geht insgesamt offen daran. Und trotzdem macht man sich am besten schon vor dem Start Gedanken für eine mögliche Forschungsfrage.

Eva: Ja, ohne Vorurteile sollte man sich an die Arbeit machen. Man muss wissen, dass es Phasen gibt, wo man sich auch anstrengen muss. Und ihr solltet die Möglichkeit, die euch mit Forschen und Lernen geboten wird, nutzen.

Wenn du „Forschen und Lernen“ mit drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

Emilia: Gestaltungsfreiheit, Selbstfindung 🙂

Lasse: frei, kreativ

Eva: persönlich, kreativ, lustig. Oder auch gut finde ich: unabhängig von Schule.

Das waren jetzt teils mehr oder weniger als drei Worte, aber nicht schlimm. Ich bedanke mich herzlich für das Interview!

Tobias Rottländer