Das Profilseminar Q1 zwischen Utopie und Dystopie
Wie wollen wir leben? Was macht eine Gesellschaft gerecht, frei oder lebenswert? Und wann kann aus einer vermeintlich guten Idee eine Gefahr werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich unser Profilseminar Q1 im letzten Schuljahr. Im Mittelpunkt standen Utopien und Dystopien – also Vorstellungen von idealen, aber auch von bedrohlichen Gesellschaften.
Besonders spannend war, dass alle Kursteilnehmer:innen unsere Themen weitgehend selbst wählen konnten – auch die Bewertungskriterien haben wir im Vorfeld gemeinsam abgesprochen. Nach einer ersten theoretischen unterrichtlichen Einführung ging es mit der Projektarbeit los!
So beschäftigten sich einige Gruppen mit dystopischen Zukunftsbildern. Nicolas und Jan untersuchten das Videospiel Cyberpunk 2077 und analysierten daran eine mögliche Zukunft, in der Technik, Macht und soziale Ungleichheit eine große Rolle spielen. Andere Schüler:innen setzten sich mit Dystopien in Filmen wie The Day After Tomorrow und 2012 auseinander oder fragten anhand von Bioshock, wie digitale Welten philosophische Ideen wie Ayn Rands Objektivismus aufgreifen. Auch politische, gesellschaftliche und historische Themen spielten eine wichtige Rolle. Tom beschäftigte sich mit der Freistadt Christiania sowie mit dem Kapitalismus heute und möglichen Entwicklungen in der Zukunft. Jonas untersuchte zunächst Utopien und Dystopien von Sekten und später den Leninismus. Dabei zeigte sich, dass auch zunächst trocken wirkende Themen durch intensive Recherche sehr interessant werden können. Lilli, Deborah und Amy beschäftigten sich zunächst mit Feminismus in der heutigen Gesellschaft und drehten dazu eine Dokumentation. Anschließend untersuchten sie, ob Utopien generationenabhängig sind, und kamen in Gesprächen mit vielen Menschen zu dem Ergebnis: Eigentlich denkt jeder Mensch utopisch – nur auf ganz eigene Weise.
Nicolas und Jan gingen im zweiten Halbjahr dem Traum der Unabhängigkeit durch Selbstversorgung nach, erstellten eine Liste für einen autarken Lebensstil – und backten sogar Brot.
Auch die dunkle Seite utopischer Vorstellungen wurde kritisch betrachtet. Jette und Vico beschäftigten sich mit Hitlers Vorstellungen vom sogenannten „Dritten Reich“ und besonders mit der geplanten Architektur. Ein Höhepunkt war eine Exkursion nach Berlin, wo sie ein Museum mit Miniaturnachbauten von „Germania“ und originalen Plänen besuchten. Dabei wurde deutlich, dass etwas, das von manchen als Utopie gedacht war, für andere zur tödlichen Dystopie wurde.
Eine weitere Gruppe näherte sich dem Thema kreativ und praktisch: Leo, Thure und Jacob entwickelten im ersten Halbjahr ein eigenes utopisches Brettspiel. Im zweiten Halbjahr fuhren sie nach Hamburg, besuchten eine Obdachlosenhilfe und erkundeten ein reiches und ein armes Stadtviertel. Ihre Eindrücke hielten sie am Ende in einem gemeinsamen Fotoalbum fest und berichteten von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen. Karl beschäftigte sich im ersten Halbjahr mit Bioshock und der Frage, wie Ayn Rands Philosophie des Objektivismus in einem digitalen Spiel umgesetzt wurde. Im zweiten Halbjahr stellte er sich die Frage, ob das Grundgesetz eine Utopie sei – besonders mit Blick auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau.
Neben den Inhalten haben die Schüler:innen im Profilseminar auch viel über das Arbeiten selbst gelernt: wie man recherchiert, Informationen auswählt, eigene Stichpunkte formuliert und frei präsentiert. Besonders das selbstständige Arbeiten, die freie Zeiteinteilung und die Möglichkeit, eigene Interessen einzubringen, machten das Seminar aus. Am Ende zeigte sich: Utopien und Dystopien begegnen uns nicht nur in Büchern, Filmen oder Videospielen, sondern auch in Politik, Gesellschaft, Architektur, Technik, Geschichte und Alltag. Das Profilseminar hat uns alle dazu gebracht, genauer hinzuschauen – auf die Zukunft, auf die Gegenwart und auf die Frage, wie wir eigentlich leben wollen. Auch ich habe als moderierender Lehrer dieses Projekts viel dazugelernt, was ich vorher nicht wusste.
Frederik Goossens auf der Grundlage von Texten der Teilnehmer:innen des Profilseminars und mit KI-Unterstützung (ChatGPT Plus)






