Migration aus deutscher und spanischer Perspektive

Das Thema Migration wird in Deutschland seit gut zehn Jahren intensiv diskutiert und sorgt für hef­tige Kontroversen. Aber was ist Migration genau, welche Schwierigkeiten gibt es und wie sieht es in anderen Ländern aus?

Um diese Fragen zu verstehen, hat die Klasse 10c sich im WiPo-Unterricht an ein komplexes Pro­jekt herangetraut: Zuerst haben wir gemeinsam erarbeitet, welche Arten von Migration es gibt (z.B. Flucht- oder Arbeitsmigration) und wie die Europäische Union diese zu regeln versucht. Dies ist von Bedeutung, weil ein Flüchtling seinen Asylantrag in dem Land stellen muss, in dem er zuerst den Boden der EU betritt, dann aber kann er sich prinzipiell innerhalb der EU frei bewegen, denn zwischen den einzelnen EU-Staaten gibt es eigentlich keine Grenzkontrollen mehr.

In einem zweiten Schritt haben dann kleine Gruppen das Thema Migration auf unterschiedli­chen Ebenen untersucht, zum Beispiel wie es zu der „Spaltung und Polarisierung des Themas Mi­gration in Deutschland“ gekommen ist oder „Wie unterschiedliche deutsche Parteien die Migration sehen“. Weitere Fragen waren, wie Migration in Schleswig-Holstein bzw. in Lübeck geregelt wird und ob sie in der Bun­deswehr eine Rolle spielt. Eine Gruppe hat untersucht, was man unter „irregulärer Mi­gration“ versteht und unter welchen Bedingungen ein Flüchtling in Deutschland bleiben darf. Auch die Frage, wie viele ukrainische Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und wieso für sie andere Regeln gelten, wurde untersucht. Eine letzte Gruppe hat herausgefunden, warum das Lübe­cker Unternehmen Habotec seine Auszubildenden aus Tunesien rekrutiert.

Bei all diesen Referatsthemen sollte nach Möglichkeit ein Experte befragt werden, um möglichst authentische Informationen zu bekommen. Das hat nicht in allen Fällen funktioniert – aber ein Email-Interview mit Tim Klüssendorf sowie dem e-punkt und persönliche Interviews mit Herrn Bode von Habotec, Herrn Weidmann von der Diakonie sowie zwei ukrainischen Schülern haben umfangreiche Einblicke und Expertenwis­sen vermittelt.

Der letzte und komplizierteste Schritt in unserem Migrationsprojekt war der Perspektivwechsel nach Spanien, wo die Regierung – entgegen dem europäischen Mainstream – irregulär eingereisten Migranten im Frühjahr unter bestimmten Bedingungen ermöglicht hat, einen Antrag auf Aufent­halts- und Ar­beitsgenehmigung zu stellen, statt sie abzuschieben. Hierzu haben wir mit einer 10. Klasse des Colegio Pedro Poveda zusammengearbeitet und unsere je­weiligen Arbeitsergebnisse vorgestellt und verglichen. Das bedeutete allerdings, dass alle Präsenta­tionen auf Englisch gehalten werden mussten – eine Herausforderung, die die 10c bravourös ge­meistert hat!

Insgesamt hat das Projekt viel Spaß gemacht, weil alle die Möglichkeit hatten, sich mit einer kon­kreten Frage zu beschäftigen, die sie persönlich besonders interessierte, und der Austausch inner­halb sowie zwischen den Klassen den Horizont deutlich erweitert hat. Außerdem konnten wir einen Eindruck davon bekommen, wie unter­schiedlich die Politiken der jeweiligen Staaten trotz aller „europäischen Kooperation“ sind und dass es bis zu einer einheitlichen europäischen Flüchtlingspolitik noch ein weiter Weg ist.

Text und Fotos: Katja Benkert