Europapolitik hautnah erleben
Vor den Sommerferien waren wir – 9 Schülerinnen und Schülern aus dem E- und Q1-Jahrgang sowie Frau Benkert und Frau Paraknewitz – vom 21. bis 25. Juni 2026 zu Besuch im Europäischen Parlament (EP) in Straßburg. Die Reise war der krönende Abschluss des Projekts „Parlement européen des lycéens (PEL)“, welches uns die unvergessliche Möglichkeit geboten hat, im EP gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus ganz Europa über die Zukunft der EU nachzudenken und internationale Themen auf Deutsch, Englisch und Französisch zu diskutieren. Dabei haben wir nicht nur das EP, sondern auch den Ministerrat simuliert. Was wir dort im Detail alles erlebt haben, erfahrt ihr hier:
Anreise, Sonntag, der 21. Juni 2026
Unsere Reise begann am Sonntagmorgen. Um 7:15 Uhr trafen wir uns am Hauptbahnhof – noch etwas müde, aber trotzdem voller Freude auf die PEL-Abschlussveranstaltung und die Zeit in Straßburg. Unsere Reise begann sehr entspannt: wir nahmen zunächst den Zug nach Hamburg, um dort in den ICE nach Frankfurt umzusteigen, in dem wir unsere Zeit schon mit verschiedensten politischen Gesprächen, Büchern, aber auch letzten Vorbereitungen verbrachten. In Frankfurt angekommen, haben wir beim Umstieg bereits einen ersten Vorgeschmack auf die uns erwartenden Temperaturen in der nächsten Woche bekommen, die laut Vorhersagen nur selten unter 30°C gehen würden.
Von Frankfurt aus nahmen wir dann den TGV nach Straßburg und kamen dort auch, mit leichter Verspätung, an. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, gingen wir zusammen bei einem nahegelegenen indischen Restaurant essen. Danach gingen wir in die Innenstadt, die ähnlich wie in Lübeck aus einer Art Altstadtinsel besteht. Dort fand an dem Abend, wie in vielen Orten Frankreichs zur Sommersonnenwende am 21. Juni, die „Fete de la musique“ statt. Dort gab es verschiedenste Darbietungen von Straßenmusik, von Kirchenchören über Trommelgruppen und verschiedene Techno Sets bis hin zu kleinen Rockbands. Es herrschte generell eine sehr gute Stimmung und es schien fast die ganze Stadt in Feierlaune zu sein. Wir teilten uns dann etwas nach Musikgeschmack auf und genossen den Abend in Kleingruppen.
Später fielen wir dann jedoch alle erschöpft von dem langen Tag ins Bett und freuten uns auf den ersten offiziellen Tag der Abschlussveranstaltung am Montag.
– Tilmann Stein, Eb
Stadtrallye, Montag, der 22. Juni 2026
Nach einer erholsamen Nacht und einem kleinen Frühstück waren wir bereit, den Vormittag voll auszunutzen, um die Stadt zu erkunden. Aufgrund der drückenden Hitze zogen uns die Klimaanlagen diverser Geschäfte besonders an, und so konnten wir in Gruppen die Innenstadt anhand unserer Interessen gut entdecken. Wir stießen dabei auf schattige Cafés und französische Patisserien, Bücher in allen Sprachen der Welt und beliebte Kleidungsgeschäfte.
Gegen Nachmittag trafen wir uns wieder mit Frau Benkert und Frau Paraknewitz im Restaurant „La Fignette”, um uns mit vielen (vielleicht zu vielen) Flammkuchen zu stärken, bevor wir uns auf den Weg machten zu unserem eigentlichen Ziel, für das wir nach Straßburg gekommen waren: der Beginn der Simulation.
Beim Rathaus, hier auch als „Hôtel de Ville“ bekannt, war endlich der Moment gekommen, an dem wir offiziell als Teilnehmende beim Parlement européen des lycéens akkreditiert wurden und unsere Badges bekommen haben, die viele unserer Bilder zieren.
Im Rathaus erhielten wir zunächst eine Videobotschaft von den Vorsitzenden des Projekts und die Anweisung, uns mit dem Programmpunkt des ersten Tages zu beschäftigen – der interaktiven Stadtrallye durch das Europaviertel dieser bedeutsamen Stadt. Als wir uns danach mit verschiedenen Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich und Litauen, in Gruppen aufgeteilt haben und unsere kostenlosen Tickets für die Straßenbahn freischalteten, erhielten wir vom PEL-Team verschiedenen Merch sowie eine kleine Verstärkung und die Anweisung, dass bei Fragen immer eine Person vom PEL-Team in der Nähe sei.
So brachen wir in unseren gemischten Gruppen auf und folgten den Hinweisen und Aufgaben, die wir für die zweistündige Rallye ausführen sollten. Uns begegneten Fragen wie: Nach welcher Reihenfolge sind die Flaggen vor dem EP angeordnet? Wie viele Gesetze wurden in diesem Jahr von der EU beschlossen? Wie groß ist das EP? Wir sollten auch bestimmte Gebäude wie das Louise-Weiss-Gebäude benennen können oder der Navigation zu verschiedenen lokalen Orten folgen und die Verbindung zur Europäischen Union herausfinden.
Besondere Highlights der Rallye waren unter anderem die kreativen Gruppenfotos, die wir zu bestimmten Aufgaben machen sollten, wie zum Beispiel einen europäischen Film darzustellen, Frieden und Diversität zu illustrieren oder generell kreative Bilder von Sehenswürdigkeiten zu machen, die in Straßburg sehr beliebt sind. Obwohl die Temperaturen zu diesem Zeitpunkt mit 42 Grad im Schatten ihren Höhepunkt erreichten, machten die spannenden Aufgaben das Wetter etwas erträglicher.
Am Ende der Rallye waren wir an der Endstation AC Hotel by Marriott Strasbourg angekommen und haben als Belohnung PEL-Flaschen erhalten, die wir sehr gut für unsere Zeit im EP verwenden konnten, da wir nur diese Flasche ins Gebäude bringen durften. Natürlich konnten wir die Flaschen auch für die Zeit außerhalb des EPs aufgrund der sehr hohen Temperaturen gut gebrauchen.
Viel Zeit blieb uns allerdings nicht, unseren Triumph zu feiern, denn die Organisation hatte uns bereits für eine halbe Stunde später einen Tisch im Restaurant „Le Grand Tigre“ reserviert. Dieses erinnerte eher an eine Sportbar, was wahrscheinlich an den reichlich im gesamten Raum verteilten französischen Flaggen, dem direkt am Eingang stehenden Photobooth und der riesigen Leinwand, auf der das zu der Zeit stattfindende Fußballspiel der WM ausgestrahlt wurde, lag. So konnten wir die zweite Runde Flammkuchen an diesem Tag genießen und dabei zusammen mit der stolzen Tigerstatue in der Mitte des Restaurants das Spiel gespannt verfolgen. Gut gesättigt, konnten wir uns einige Zeit später auf den Weg machen, um in das von PEL gewählte Hotel für die Zeit der Simulation umzusiedeln, wo wir positiv überrascht von der Klimaanlage waren (die Hitzeperioden zu überstehen, war eine der höchsten Prioritäten für uns, wie man merkt!). Dort verbrachten wir noch einen angenehmen Abend mit Kartenspielen, „Wer bin ich?“ und Vorfreude auf den kommenden Tag.
– Deborah Osasere Agbonifo, Q1f, und Diana Berezovets, Q1e
Der erste PEL-Tag, Dienstag, der 23. Juni 2026
Am Dienstag war dann der erste Tag im EP. Bereits um 6:00 Uhr sind wir aufgestanden, um noch im Hotel frühstücken zu können und später rechtzeitig die Tram zum EP zu erwischen. Beim Parlament angekommen, mussten wir erst einmal die Flughafen-ähnlichen Sicherheitskontrollen passieren und uns einen Teilnehmerausweis ausstellen lassen. Daraufhin haben wir vor dem Louise-Weiss-Gebäude – so heißt das Gebäude des EPs – einige Gruppenbilder gemacht, um diese besondere Fahrt in Erinnerung zu behalten.
Danach ging es dann schon in den Plenarsaal. Dort startete eine spannende Begrüßungszeremonie um 9:30 Uhr mit Reden von Ms Fabienne Keller (Abgeordnete des EU-Parlaments), Mr Hervé Moritz (stellvertretender Bürgermeister von Straßburg), Ms Anke Rehlinger (Ministerpräsidentin des Saarlands), Ms Juan Carlos Jiménez Marín (Generaldirektor der Dolmetscher im EU-Parlament), Ms Jutta Schulze-Holmen (Direktorin für Kommunikation und Besucher:innen) und Ms Heike Winzent (Präsidentin des saarländischen Landtags). Nach der Begrüßungszeremonie hatten wir Zeit in unseren Fraktionen, um letzte Vorbereitungen und Absprachen für die Plenarsitzung später am Tag zu treffen und dadurch die anderen Schülerinnen und Schüler persönlich kennenzulernen.
Hungrig gingen wir dann zum Mittagessen ins EP-Restaurant, in dem während der Sitzungswochen in Straßburg auch die Abgeordneten essen. Es gab ein frisch gekochtes Risotto und Madeleines zum Nachtisch.
Um 13:15 Uhr begann dann die lang ersehnte Plenarsitzung, in der wir über die monatelang erarbeiteten Änderungsanträge diskutiert und abgestimmt haben. Pünktlich um 18:00 wurde die Sitzung dann bis zum nächsten Tag unterbrochen, damit wir noch rechtzeitig zum Abendessen ins „Le Gruber“ kommen konnten. Dort durften wir ein leckeres Drei-Gänge-Menu genießen. Den Abend haben wir abschließend mit einer lang ersehnten kalten Dusche ausklingen lassen.
– Sara Tiedemann, Q1e, und Pauline Groß, Q1a
Der zweite PEL-Tag, Mittwoch, der 24. Juni 2026
An unserem zweiten ereignisreichen Tag im EP haben wir zunächst die Abstimmungen der ersten Simulation beendet. Dafür haben noch mehrere Fraktionen ihre letzten Änderungsanträge vorgestellt, über die wir darauffolgend abstimmten. Besonders interessant war die anschließende Pressekonferenz, in der einige Teilnehmende interviewt wurden und die Fraktionsvorsitzenden ihre abschließenden Reden gehalten haben. Diese ließen die letzten Monate nochmal Revue passieren und bildeten einen runden Abschluss für die Parlamentssimulation.
Nach dem köstlichen Mittagessen, bestehend aus Lasagne, haben wir die Pause zwischen den beiden Simulationen benutzt, um über unsere persönlichen Debatten zu sprechen. Dafür hatten wir uns im Vorfeld in verschiedenen Gruppen zu sehr vielfältigen Themen wie z.B. Wasserknappheit, Jugendförderung und European peace-keeping missions ausgetauscht und ein Video gedreht. Von diesen haben wir uns im Parlament sieben angeguckt, welche im Vorwege in einer Abstimmung bestimmt wurden.
Als letzter Teil der Simulation versetzten wir uns in die Rolle der einzelnen Länder im Ministerrat. Jede Schule repräsentierte dabei ein Mitgliedsland – wir haben Slowenien repräsentiert. In einer sehr spannenden Sitzung debattierten wir über die Arbeitsbedingungen von Praktikantinnen und Praktikanten und beschlossen mehrere Änderungsanträge.
Nach zwei sehr ereignisreichen und schönen Tagen endete unser Projekt schließlich mit einer Abschlussveranstaltung und der Verleihung unserer Zertifikate.
Am Abend haben wir den Tag noch bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen lassen und haben hinterher zusammen Spiele gespielt, wobei wir uns viel über die letzten Monate unterhalten haben.
– Lilli Josephine Wickmann, Q1f, und Amy Lucia Piontek, Q1f
Abreise, Donnerstag, der 25. Juni 2026
Am Donnerstag starteten wir entspannt in den Tag. Vormittags schlenderten wir noch etwas durch die Altstadt Straßburgs und kauften die letzten Souvenirs für Freunde und Familie zuhause ein. Wir genossen die letzten Stunden in Frankreich und aßen zum Abschluss in einem typisch französischen Restaurant Crêpes, bevor wir die Rückreise antreten mussten. Die Rückfahrt verlief leider deutlich weniger entspannt als die Hinreise, doch letzten Endes kamen wir alle wohlbehalten (wenn auch mit rund 2,5 Stunden Verspätung) am Lübecker Hauptbahnhof an.
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei der Michael-Haukohl-Stiftung, dem Schulverein und dem Erasmus+-Programm bedanken, die uns alle finanziell sehr großzügig unterstützt haben! Ohne diese Förderung wäre die Reise zu vertretbaren Kosten nicht möglich gewesen. Ein herzlicher Dank geht außerdem an Frau Benkert und Frau Paraknewitz, die sowohl die Reise als auch unseren Aufenthalt hervorragend organisiert haben.
Falls euer Interesse an einer Teilnahme an PEL im nächsten Jahr nun geweckt wurde, schreibt gerne eine Mail an Frau Paraknewitz oder antwortet auf ihre Rundmail Anfang Herbst. Das Programm steht allen Schülerinnen und Schülern ab dem E-Jahrgang offen.
-Frederik Scheel, Ef












