Gustav Stresemann und der 3. Oktober

Jeder Lübecker kennt bestimmt die Stresemannstraße. Wer eigentlich hinter diesem Namen steht, ist allerdings eher unbekannt.

Abgeleitet steht der Name Stresemann für den Politiker Gustav Stresemann, welcher am 13. August 1923 Reichskanzler wurde. Doch wie kam er überhaupt zur Politik und was gelangen ihm für Erfolge? Wir haben uns anlässlich seines 97. Todestags und des Tages der Deutschen Einheit ein fiktives Interview mit ein paar durchlöchernden Fragen ausgedacht, um dieses Jahrzehnt und Gustav Stresemann noch ein bisschen besser zu verstehen.

Presse-AG: Wie kamen Sie überhaupt zur Politik? 

Stresemann: Ich bin am 10. Mai 1878 in Berlin geboren und entwickelte schon früh ein wirtschaftliches Interesse. Neben meinem Studium zur Nationalökonomie, Geschichte und Literatur in Berlin schloss ich mich einem „Nationalsozialen Verein“ (NSV) an. Unser Ziel war es in gewisser Weise das derzeitige Kaiserreich zu reformieren. Diese Erfahrung prägte meine gesamte spätere politische Karriere.  

Warum prägte Sie dieser Verein? 

Stresemann: Ich begann 1903 der nationalliberalen Partei beizutreten, denn diese Partei vertrat auch die Interessen, die ich durch den NSV bekam. Dazu zählte eine wirtschaftliche Freiheit, ein nationaler Zusammenhalt und die Interesse die Industrie zu stärken. Von dort an erzielte ich erste politische Erfolge. 

Was würden Sie zu Ihren politischen Erfolgen zählen? 

Stresemann: Vielen Dank für Ihre Frage! Ich wurde 1906 in den Dresdner Stadtrat gewählt und zog ein Jahr später als Abgeordneter in den Reichstag ein. Mein größtes Ziel war, dass Deutschland wirtschaftlich und militärisch eine Stärke darstellt! Deswegen unterstützte ich auch erst den Kriegsbeginn 1914 in Deutschland, so auch den „Siegfrieden“ , der beschrieb, dass Deutschland als Sieger aus dem Krieg hervortreten sollte.
 

Blieb ihre Einstellung zum Krieg immer die selbe? 

Stresemann: Nein, nicht ganz. Gegen Ende des Krieges zweifelte ich den Sieg stark an und erkannte, dass die Monarchie reformiert werden müsse, um die Wirtschaft zu stärken. 

Ein paar Jahre später wurden Sie zum Reichskanzler der Weimarer Republik ernannt. Wie gelang es Ihnen die Krisen der Weimarer Republik zu bewältigen?

Stresemann: Im Jahr 1923 stand unsere Republik am Rande des Abgrunds. Die Reichsmark verlor dramatisch an Wert, weswegen ich dazu beitrug die Rentenmark einzuführen, wodurch sich die Wirtschaft und die Inflation ein wenig erholte.
Darüber hinaus wurde  am 9.11.1923 versucht durch die NSDAP und Hitler in München ein Staatsstreich durchzuführen. Auch hier habe ich die bayerische Landesregierung unterstützt und dabei geholfen gegen Extremismus anzukämpfen. 

Eine weitere Krise der Weimarer Republik war der Ruhrkampf, wo französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet lahm legen. Die Begründung war ein Rückschritt der Reparationszahlungen aus dem 1. Weltkrieg. Die damalige Regierung unter Wilhelm Cuno ruft zu einem passiven Widerstand auf, welcher Kohle und Stahlproduktion lahmlegte. Nachdem ich ins Amt kam, entschied ich den Widerstand zu beenden und setzte mich mit Frankreich in Verbindung, um Verhandlungen zu führen.   

Leider war die SPD mit meinen Entscheidungen nicht besonders zufrieden, weshalb die Regierung zu Bruch ging und ich mich schließlich zum Rücktritt gezwungen sah.  

Im Anschluss an ihre Zeit als Reichskanzler waren Sie für lange Zeit Außenminister. In dieser Zeit pflegten Sie gute Beziehungen nach Frankreich. Warum war Ihnen das so wichtig? 

Stresemann: Ich sah in einer guten Beziehung zu unserem direkten Nachbarn Frankreich die Chance, Deutschland nach dem Weltkrieg wieder international Respekt zu verschaffen und es so wieder stark zu machen. Nach dem Krieg war Deutschland außenpolitisch isoliert und genau dies galt es zu verhindern.

Gleichzeitig brachten gute Beziehungen die Verhandlungen voran, die unter anderem zur Unterzeichnung des Dawes-Plans führten, durch den Deutschland weniger Entschädigungen für die Kriegsschäden zahlen musste. 1925 folgte dann ein wichtiger Erfolg meiner Außenpolitik. In der von mir angeregten Locarno-Konferenz unterschreiben wir die Locarno-Verträge, in denen Frankreich, Belgien und Deutschland auf eine gewaltsame Verschiebung unserer Grenzen verzichten. Darauf bin ich noch heute stolz.

Dafür erhalten Sie 1926 zusammen mit ihrem französischen Kollegen Aristide Briand den Friedensnobelpreis. Bedeutet Ihnen das viel?

Ja, es ist eine tolle Bestätigung, dass unsere Politik wirksam und sinnvoll. Aristide und ich haben im Laufe unserer Arbeit eine enge und freundschaftliche Beziehung entwickelt und es bedeutete uns sehr viel.

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Noch während seiner dritten Amtszeit als Außenminister stirbt Stresemann nach einer schweren Krankheit.,

Zum heutigen Tag der deutschen Einheit, der gleichzeitig der 97. Todestag Stresemanns ist, wollen wir diesem wichtigen Staatsmann ein Gedenken bieten. Gustav Stresemann war ein bedeutender Staatsmann in der Weimarer Republik. In seiner Zeit als Außenminister und -politiker verbesserte er stetig die deutsch-französischen Beziehungen, indem er auf eine Politik der Versöhnung setzte, bevor die deutsch-französische Beziehung sich in der Zeit des Nationalsozialismusses radikal verschlechterte. 

Text: Pia Priebe und Henri Stüler, beide Q2e